Texas

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*24.07.2008 Tennessee, USA

Texas haben wir 2008 mit 9 Wochen aus dem Tierheim in Milwaukee, Wisconsin geholt, in dem ich ehrenamtlich gearbeitet habe. Seine Vorgeschichte ist uns unbekannt, aber es wurde schnell klar, dass seine ersten Lebenswochen nicht sehr schön gewesen sein konnten oder er nicht viel kennengelernt hatte.

Er war der erste gemeinsame Hund von meinem Mann und mir. Ich konnte es kaum erwarten, erneut einen Hund zu bekommen und lag meinem Mann ständig damit in den Ohren. Dass ich zu dieser Zeit im Tierheim gearbeitet habe, hat es für meinen Mann nicht leichter gemacht. Irgendwann wusste er, dass er nicht mehr drum herum kam. An dem Tag, an dem Texas bei uns einzog, hatte das Tierheim erneut viele Welpen aus anderen Staaten bekommen. Ich fuhr alleine hin, da mein Mann geschäftlich unterwegs war. Ich sah Texas mit zwei seiner Schwestern im Zwinger und war unsterblich verliebt. Es war Wochenende und extrem voll im Tierheim. Mehr Besucher als Mitarbeiter, so dass ich lange Zeit warten musste, bis ich überhaupt dran war. Bangend saß ich vor seinem Zwinger. Es lief dort bei der Welpenvergabe nach dem Motto wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Ich habe gefühlte drei Stunden warten müssen und konnte nicht glauben, dass Texas noch zu haben war, als ich endlich an der Reihe war. „Meant to be“ in meinen Augen. Also fuhr mein kleiner Texi an diesem Tag tatsächlich mit mir nach Hause. Ich war unendlich glücklich.

Die erste Begegnung zwischen ihm und meinem Mann war alles andere als schön. Als er hereinkam und voller Freude unseren Familienzuwachs begrüßen wollte, verkroch Texas sich in die letzte Ecke der Wohnung. Oh je darauf war ich nicht vorbereitet. Seine Angst vor meinem Mann, aber vor allem fremden Menschen wurde schnell zu einem großen Problem. Zahlreiche Telefonate mit dem Tierheim, stundenlanges Recherchieren im Internet und etliche Literatur später befanden wir uns vor einem richtigen Problem. Unerfahren wie wir damals waren, konnte und wollte ich das nicht glauben. Wie konnte es denn sein, dass dieser kleine Kerl bei all der Liebe, die wir ihm geben, immer noch solche Ängste hat? Ja richtig, ich habe zu dieser Zeit noch geglaubt, dass sich solch ein Verhalten mit viel Liebe und Geduld wieder von alleine gibt. Und nun wurde ich eines Besseren belehrt. Das war hart zu Verdauen. Denn eigentlich möchtest du doch nur die Zeit mit deinem Welpen genießen, ihn stolz deinen Freunden präsentieren und lieber Erziehungskurse als „Hilf deinem ängstlichen Hund“ Kurse besuchen.

Seine Angst vor Menschen schlug logischerweise irgendwann in Aggressionen um. Mit nur 6 Monaten wurden die Probleme so enorm, dass wir professionelle Hilfe zu Rate ziehen mussten.

Wir haben mit ihm täglich über mehrere Jahre trainiert. Die Probleme sind viel besser geworden und es ist ein unglaubliches Gefühl zu sehen, welcher Hund er heute ist. Er hat mich für das, was ich heute tue, sehr inspiriert. Er hat mir gezeigt, wie viel wir mit gutem Training, Geduld und Konsequenz erreichen können.

Texas hat in meinen Augen einen 7. Sinn und ist der Clown der Familie. Er merkt sofort, wenn es mir nicht gut geht und bringt mich daraufhin mit einem seiner Tricks wieder zum Lachen. Was haben wir über ihn schon Tränen gelacht. Er ist unser Beschützer, unser unbestechlicher Wächter. Er würde sein Leben für unseres geben. Er ist ein ganz besonderer Kerl, der Tricks und Parkour liebt. Ohne ihn wäre ich heute nicht da, wo ich jetzt bin.

Wir pflegen immer zu sagen „Don´t mess with Texas“ (Leg dich nicht mit Texas an)

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